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30. April - Tag der gewaltfreien Erziehung

Foto: Lenka Fortelan / pixabay.com

 

„In der Erziehung ist kein Platz für Gewalt und Erniedrigung“ WEISSER RING fordert zu Zivilcourage bei Kindesmisshandlung auf

Opferhilfeorganisation verweist anlässlich des Tags der gewaltfreien Erziehung am 30. April auf gleichbleibend hohe Fallzahlen 4.180 junge Menschen im Alter bis 14 Jahre sind 2018 deutschlandweit Opfer von Kindesmisshandlung gewesen, 42 Prozent von ihnen waren Mädchen. Diese Zahlen weist die Polizeiliche Kriminalstatistik für das vergangene Jahr aus. Von den Behörden wurden im vorliegenden Zusammenhang 3.487 konkrete Fälle registriert, bei denen Kinder körperlicher oder seelischer Gewalt ausgesetzt waren. Darüber hinaus ist in diesem Deliktsbereich von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. „Es macht betroffen zu sehen, dass sich die Fallzahlen von Kindesmisshandlung seit vielen Jahren auf nahezu unverändert hohem Niveau bewegen“, sagt Dr. Patrick Liesching, Landesvorsitzender der Opferhilfeorganisation WEISSER RING Hessen, „aber in der Erziehung ist kein Platz für Gewalt und Erniedrigung“.

 

„Es macht betroffen zu sehen, dass sich die Fallzahlen von Kindesmisshandlung seit vielen Jahren auf nahezu unverändert hohem Niveau bewegen, aber in der Erziehung ist kein Platz für Gewalt und Erniedrigung."

Dr. Patrick Liesching, Landesvorsitzender WEISSER RING Hessen

 

 

Anlässlich des Tags der gewaltfreien Erziehung am 30. April fordert der WEISSE RING daher, jegliche Form von Gewalt gegen Kinder nicht zu tolerieren und diese auch nicht zu verharmlosen. „Die allermeisten Eltern in Deutschland sind glücklicherweise dazu fähig, ihre Kinder ohne den Einsatz von Misshandlungstaten zu selbstständigen und selbstbewussten Menschen zu erziehen“, erläutert Liesching. Dennoch: Die Anzahl derer, die vom vermeintlich harmlosen Klaps bis hin zum dauerhaften Liebesentzug zu Gewalt im Umgang mit ihren Kindern greifen, ist hoch, „viel zu hoch“, wie Liesching betont. „Hin- und nicht wegsehen! Der WEISSE RING fordert zivilcouragiertes Handeln, wenn Menschen Zeugen von Misshandlung an Kindern werden“, erläutert der Landesvorsitzende.

Kindesmisshandlung findet dabei in allen gesellschaftlichen Schichten und zum ganz überwiegenden Teil im familiären Kontext statt. Schläge, Ablehnung, psychischer Druck, Vernachlässigung – Delikte, die mit Haftstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren strafbedroht sind, äußern sich in vielen Formen, unter denen die Betroffenen auch noch viele Jahre später massiv leiden können. Genauso vielfältig wie die Arten der Misshandlung sind dabei auch die Ursachen der Gewalt gegen die Jüngsten. Stress und Konflikte, Armut oder das Fehlen von Korrektiven, eigene Gewalterfahrungen als Kind oder Verharmlosung von körperlicher Züchtigung: Wenn Erwachsene Kinder misshandeln, stehen oftmals Hilflosigkeit und Überforderung dahinter. „Aber all diese Faktoren können auch in Summe nicht als Entschuldigung oder Ausrede für Kindesmisshandlung gelten. Es ist gesetzlich festgeschrieben, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Wer das nicht alleine leisten kann, muss sich professionelle Hilfe holen“, unterstreicht Dr. Patrick Liesching, Landesvorsitzender des WEISSEN RINGS in Hessen und verweist dabei auf die Angebote von Hilfsorganisationen.

So informiert der Verein im Rahmen seiner umfassenden Präventionsarbeit auf seiner Internetpräsenz  darüber, wie gewaltfreie Erziehung gelingen kann. Betroffene und Interessierte können sich zudem die Broschüre „Gewaltfreie Erziehung“ zukommen lassen, die mittlerweile in einer achten, aktualisierten Auflage vorliegt(Bestellung unter: materialwirtschaft@weisser-ring.de). Darüber hinaus halten die mehr als 3.000 ehrenamtlichen Mitarbeiter in den bundesweit mehr als 400 Außenstellen der Opferhilfeorganisation einen umfassenden Katalog an Hilfeleistungen vor. Dieser umfasst vom menschlichen Beistand und Begleitung bei Behördengängen bis hin zu finanziellen Hilfen eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Opfern von Kindesmisshandlung und indirekt Betroffenen offen stehen. Darüber hinaus können sich Hilfesuchende auch anonym unter 116 006 beim kostenfreien Opfer-Telefon (täglich zwischen 7 und 22 Uhr) sowie über die Website der Organisation bei ihrer Onlineberatung melden.